Eine Frage der Nuance
Wer sich nach einer langen Wanderung vor die Berghütte setzt, geniesst mit ein wenig Glück einen Sonnenuntergang im schönen Alpenglühenorange. Was es mit dieser und weiteren Farben auf sich hat, erzählt uns Grafiker Felix Pfäffli.
Felix Pfäffli, woher kommt das Alpenglühenorange?
Von einer farbigen Briefmarkenserie, die ich für die Post ge- stalten durfte. Eine Anfrage, über die ich mich sehr gefreut habe. Das Spiel mit Farben, das passt perfekt zu mir. Ausserdem ist es eine einmalige Herausforderung, die auch gewisse Lerneffekte mit sich bringt. Ich hatte sofort Lust, in das Thema einzutauchen.
Wie sind Sie die Aufgabe angegangen?
Ich habe drei mögliche Linien entworfen. Nachdem die Ent- scheidung auf eine Variante gefallen war, begann die Detail- arbeit: Ich habe den Farbfächer rausgeholt, mit einzelnen Farbnuancen und der Schriftsetzung experimentiert. Bald habe ich gemerkt: Es geht weniger um einzelne Farben als um die Stimmungen und Erinnerungen, die sie wecken. Deshalb auch die Verläufe, die nebst der Hauptfarbe zwei bis drei weitere Nuancen reinbringen. Ich bin der Frage nachgegangen: Wie brin- ge ich Farbe und Atmosphäre zusammen? Alle Farbtöne stam- men aus der Natur vom warmen Abendlicht in den Alpen bis zu den tieftürkisen Bergseen.
Gab es besondere Herausforderungen?
Einige! Einerseits die Farben selbst oder besser gesagt: die Farbverläufe. Es ist nicht ganz einfach, bei Sonderfarben Verläufe zu drucken. Jede Marke wird in einer sorgfältig ausge wählten Sonderfarbe gedruckt, die den Kernton definiert, während die Randfarben im CMYK-Verfahren umgesetzt werden. So wird jede Marke zu einem Versuch, eine Stimmung in Farbe zu übersetzen. Eine weitere Herausforderung ist das Format: Es ist ambitioniert, auf einer so kleinen Fläche so viel Gefühl und Stimmung zu transportieren. Ich bin aber positiv überrascht, welche Wirkung ein so kleines Druckprodukt haben kann. Wichtig war auch die Einbindung der Farbbezeichnungen, also des Textes. Sie transportieren Schweizer Werte und entwickeln im Zusammenspiel mit den Farben ihre Wirkung. Darum stehen die Bezeichnungen in den vier Landessprachen am weissen unteren Rand der Marke klar getrennt durch eine feine Perforation.
Welche Verbindung haben Sie selbst zu Briefmarken?
Briefmarken sind für mich eine schöne Erinnerung an die Zeit mit meinem Grossvater: Wir haben Stunden damit verbracht, Marken zu sortieren. Er hat mir viel beigebracht und wusste alles über die verschiedenen Raster, Sonderfarben oder allfällige Druckfehler. Das hat mich zutiefst beeindruckt.