Am 5. Januar 2026 gibt die französische Post, La Poste, eine Briefmarke zum 140. Jubiläum des berühmten Almanach Vermot heraus!
Der Almanach Vermot, ein Zeugnis der Entwicklung von Einstellungen und Volkskultur, ist eine Institution. Volkskundler haben ihn mit größter Sorgfalt erforscht.
Er wurde 1886 von Joseph Vermot ins Leben gerufen und ist von ländlichen Almanachen inspiriert, die nach den Napoleonischen Kriegen entstanden, wie beispielsweise dem „Grand Messager boiteux de Strasbourg“. Die Ursprünge dieses Genres reichen jedoch bis ins 16. Jahrhundert zurück: Dank des wachsenden Handels verbreitete sich die Volksliteratur von den Städten aufs Land. Der Katalog der „Bibliothèque bleue“ (Blaue Bibliothek) von Troyes ist ein bemerkenswertes Beispiel; „blau“ bezieht sich auf die Farbe seiner Einbände. Er enthält alles von Gedichten, Fabeln und Erzählungen über Kurzromane bis hin zu Ephemeriden und praktischen Ratgebern.
Der Vermot-Almanach ist unverkennbar an seiner roten Farbe und seinem Logo, einer sich wie ein Füllhorn windenden Schriftrolle. Dieser 384-seitige Band begleitet seine Leser das ganze Jahr über und ist voller Anekdoten, Tipps und Tricks für den Alltag, Sprichwörtern … und vor allem Witzen.
Diese Mischung aus nützlichem Wissen und Heiterkeit macht den Vermot-Almanach so erfolgreich. Nach Josephs Tod im Jahr 1893 übernahm sein Sohn Maurice die Herausgabe und erweiterte den Vertrieb erheblich. Unter der Leitung von Georges Ventillard erreichte der Almanach eine Auflage von einer Million Exemplaren pro Jahr – ein Beweis für seine anhaltende Beliebtheit. Nur der Zweite Weltkrieg unterbrach die Veröffentlichung. Seitdem erscheint er jährlich – heute bei Hachette. Vermot hinterließ auch ein weiteres Erbe: die Karikatur, die satirische Bildsprache und die Presseillustration. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte die illustrierte Presse dank des technologischen Fortschritts einen explosionsartigen Aufschwung. Das Layout von Zeitungen änderte sich und bevorzugte Textspalten, in die Bilder eingefügt wurden. Die visuelle Identität des Almanachs passte sich entsprechend an.
Von Beginn an trugen talentierte Karikaturisten sowie führende Persönlichkeiten der französischen Karikatur des 20. Jahrhunderts bei – besonders hervorzuheben sind Claude Turier und Jacques Faure, die bis 2014 die Chefredaktion leiteten. Heute führen andere den Vermot-Stil fort, eine Mischung aus Gesellschaftssatire und kritischer Beobachtung. Der Almanach passt sich dem Wandel der Zeit an, legt akzeptierte und umstrittene Formen des Humors offen und spiegelt die wichtigsten Themen wider, die die französische Gesellschaft bewegen.