Am 12. Januar 2026 gab die französische Post, La Poste, eine Briefmarke ihrer Kunstserie heraus, die ein ikonisches Werk von Alberto Giacometti zeigt: „Mann, der an einem sonnigen Morgen einen Platz überquert – 1950“. Anlass war der 60. Todestag des Künstlers.
Die Ränder der Briefmarke sind mit Werken von Alberto Giacometti illustriert, darunter die Lampe „Kopf“ (um 1933–1934), „Große Frau I“ (1960) und „Das Paar“ (1926).
Langgezogene Silhouetten, Körper, aber auch Büsten und Gesichter im unendlichen Raum – einem Raum, der sowohl geistig als auch physisch ist, ein Raum, der durch Linien definiert werden kann, aber vor allem von diesen Figuren bewohnt wird. Die Figuren erscheinen dem Betrachter zunächst raffiniert, fast minimalistisch, reduziert auf eine einzige Linie, eine Zeichnung. Diese Werke nehmen ihre Umgebung in sich auf, so fesselnd ist das Material, geprägt von Gesten, in denen die Zeit zu verdichten und stillzustehen scheint, als ob der Blick das Wesen der reinen Erscheinung durchdrungen hätte. Alberto Giacomettis Skulpturen sind unverkennbar und in den Sammlungen der größten Museen der Welt zu finden. Sie strahlen eine Aura von Präsenz und Abwesenheit aus und laden zur Stille und Betrachtung des Körpers, seiner Proportionen, des Gesichts, der Bewegung und der Stille ein. Sie krönen eine lange und vielseitige Karriere, die Malerei, Zeichnung, Bildhauerei und Druckgrafik umfasst. Giacomettis Werdegang wurde von der Kunst seines Vaters in seiner heimatlichen Schweiz und später von seinem Umzug nach Paris im Jahr 1922 beeinflusst, wo er im Atelier von Antoine Bourdelle studierte. Er entdeckte die moderne Avantgarde, afrikanische Kunst und das alte Ägypten und knüpfte gleichzeitig Verbindungen zu Künstlern wie Henri Laurens und Ossip Zadkine. Der Surrealismus von André Breton, dessen Gruppe er von 1931 bis 1935 angehörte, beeinflusste auch seine Objektauffassung. Doch schon damals interessierte er sich für die Darstellung der Figur, für den Blick – eines der Hauptthemen seines Werks. Dies zeigt sich bereits in seinen Skulpturen, deren Größe zunächst schrumpft und dann wieder zunimmt, da alles eine Frage der Perspektive ist. Es wird auch in seinen Nachkriegsporträts von Freunden und Vertrauten deutlich, von Michel Leiris über Jean Genet bis hin zu Isaku Yanaihara, dem japanischen Philosophen, Dichter und Übersetzer Sartres, der ihm selbst mehrere Essays widmete. Als er 1966 starb, hatte er einen Stil etabliert, der ihn von seinen Zeitgenossen abhob, die sich mit den Anfängen der Pop Art, des Minimalismus und der Konzeptkunst auseinandersetzten. Er bleibt ein unbestrittener Meister des 20. Jahrhunderts.