Slowenien in Superlativen: Boka-Wasserfall, Soča-Tal
Die Wassermassen des Kanin-Massivs treten nahe des Dorfes Žaga im Soča-Tal als reißender Bach namens Boka aus dem Abfluss einer Karsthöhle hervor. Der Boka-Wasserfall ist der kraftvollste und ergiebigste Wasserfall nicht nur Sloweniens, sondern ganz Europas. Er ist zugleich Sloweniens höchster Wasserfall. Laut leicht variierenden Quellen ist er über 140 Meter hoch und 18 Meter breit. Charakteristisch ist sein zweistufiger Fall: Zuerst stürzt der Bach über 100 Meter und dann weitere 30 Meter in die Tiefe. Nach etwa einem Kilometer mündet der Boka-Bach in die Soča. Die Höhe des Wasserfalls nimmt stetig zu, da die Kraft des herabstürzenden Wassers seinen Fuß immer weiter erodiert. Die größte Wassermenge führt er im Frühling, wenn der Schnee im Kanin-Massiv schmilzt, und im Herbst, wenn es stärker regnet.
Eine ziemlich düstere Legende erzählt von einem jungen Mann und einer jungen Frau, die im Wald Pilze sammelten und an die Tür eines Hauses klopften, in dem eine alte Frau lebte. Sie bot ihnen Essen an, hatte aber andere Absichten. Zufällig entdeckte der junge Mann, dass sie im Hof eine Axt schärfte. Sie wollte sie damit töten und dann braten. Deshalb versteckte er sich hinter der Tür und wartete mit einem Stock. Als sie das Haus betrat, schlug er sie hart und gab ihr dann mit der geschärften Axt, die eigentlich für sie bestimmt war, den Rest. Das Blut der alten Frau verwandelte sich in den Wasserfall, den wir heute als Boka kennen.
Janez Bogataj