Ana María Matute wurde im Sommer 1935 in Barcelona geboren. Mit einem katalanischen Vater und einer kastilischen Mutter verbrachte sie ihre Kindheit zwischen Madrid und Barcelona und wuchs als Kind beider Städte auf, ohne jedoch jemals ganz dazuzugehören. Diese frühe Entwurzelung machte sie zu einem Einzelgänger, der wie so viele andere Zuflucht in Büchern fand: ihrer wahren Schule, dem Ort, an dem die Schriftstellerin, die sie später werden sollte, Gestalt annahm. Mit nur siebzehn Jahren schrieb sie ihr erstes Theaterstück, *Pequeño teatro* (Kleines Theater), das allerdings erst elf Jahre später veröffentlicht wurde.
Sie war ein rebellisches Kind. Der Bürgerkrieg konfrontierte sie abrupt mit einer Realität, die die Geborgenheit ihrer Kindheit zerstörte und sie mit einer tiefen Überzeugung zurückließ: der grundlegenden Ungerechtigkeit des Lebens. Ein Gefühl, das ihren Charakter prägen und sie nie verlassen sollte: Es durchdrang ihr gesamtes Werk und machte sie zu einer Schriftstellerin, die sich den Schwachen und Schutzbedürftigen verpflichtet fühlte.
Mit ihrem Roman *Primera memoria* (Erste Erinnerung) erlangte Matute größere Bekanntheit und etablierte sich als Schriftstellerin, als sie 1959 den Nadal-Preis gewann. Dieses Werk legte bereits den Grundstein für ihre literarische Entwicklung und die zentralen Themen, die sie fortan begleiten sollten: Einsamkeit, Missverständnisse, Flucht und Ausweichen.
Sie gehörte zur Generation der 50er-Jahre, die sie selbst als die „erstaunten jungen Leute“ bezeichnete – jener Gruppe von Schriftstellern, die von der Nachkriegszeit geprägt waren und die Welt mit einer Mischung aus Verwirrung und Klarheit betrachteten. Zu dieser Gruppe zählten auch Namen wie Juan Marsé, Carmen Martín-Gaite und Rafael Sánchez Ferlosio.
*Los Abel*, *Los niños tontos* (Die törichten Kinder), *Olvidado rey Gudú* (Der vergessene König Gudú) … sind nur einige der Titel, die eines der einzigartigsten Werke der zeitgenössischen spanischen Literatur ausmachen. Dank ihres außergewöhnlichen Erzähltalents wurde Ana María Matute 1996 in die Königliche Spanische Akademie gewählt und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Nationalpreis für Spanische Literatur (2007) und den Cervantes-Preis (2010). Auch in ihren späteren Jahren, ohne jemals ihren klaren Blick oder die Ironie in ihrem Lächeln zu verlieren, vermittelte sie in Interviews eine Mischung aus Intelligenz und Humor, die sie besonders zugänglich machte. Sie spielte ihre eigene Bedeutung gern herunter, als wäre sie nicht eine der bedeutendsten Autorinnen der spanischen Literatur und ein Vorbild für so viele Schriftsteller ihrer Generation und der nachfolgenden.
Sie schrieb bis zu ihrem Tod am 25. Juni 2014, denn sie verstand Schreiben nie als Wahl, sondern als Notwendigkeit. Für sie war es eine Art, in der Welt zu sein.