Die verfassungsmäßige Autonomie der Azoren zählt zu den größten politischen Errungenschaften des azoreanischen Volkes im 20. Jahrhundert. Sie entsprang dem Wunsch der Azoreaner, über ihr eigenes Schicksal zu bestimmen und gleichzeitig ihre Identität, Kultur und geografische Besonderheit – die sogenannte azoreanische Identität (einzigartiges Merkmal des azoreanischen Volkes) – zu bewahren.
Obwohl die Idee der Autonomie tiefe historische Wurzeln hat, begannen die Azoreaner erst nach dem 25. April 1974, mit der Rückkehr von Freiheit und Demokratie nach Portugal, ihren Wunsch nach Selbstverwaltung energischer zu artikulieren. 1975 wurde der Regionalrat der Azoren gegründet, ein provisorisches Gremium, das für die Ausarbeitung des provisorischen Statuts und die Verwaltung der Angelegenheiten der Region bis zur Verwirklichung der Autonomie zuständig war.
Die Verfassung der Portugiesischen Republik, die am 2. April 1976 verabschiedet wurde, etablierte die regionale Autonomie und die Autonomen Regionen der Azoren und Madeiras. Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes wurde die Existenz autonomer Verwaltungsorgane für die Inselregionen anerkannt und ihnen im Rahmen der staatlichen Einheit politische, legislative und exekutive Befugnisse übertragen. Mit der Verabschiedung des Provisorischen Statuts für die Autonome Region der Azoren am 30. April 1976 konnten die Voraussetzungen für den effektiven Beginn des autonomen Systems geschaffen werden. Die ersten Wahlen zur Regionalversammlung der Azoren fanden am 27. Juni 1976 in freier, direkter und allgemeiner Wahl statt, und die konstituierende Sitzung der Regionalversammlung wurde am 20. und 21. Juli in Horta abgehalten.
Die neue Ära der regionalen Autonomie erreichte am 4. September 1976 mit der offiziellen Eröffnung der Regionalversammlung der Azoren in Horta einen besonders symbolträchtigen Meilenstein. An der Zeremonie nahmen hochrangige Staatsbeamte teil, was diesem Meilenstein in der Festigung von Demokratie und verfassungsmäßiger Autonomie eine besondere historische und politische Bedeutung verlieh. Wenige Tage später, am 8. September, trat die erste Regionalregierung unter João Bosco Mota Amaral ihr Amt an – ein einzigartiger Moment in unserer Geschichte.
1980 wurde das Politische und Administrative Statut der Autonomen Region der Azoren verabschiedet. Es legte die rechtlichen, politischen, exekutiven und fiskalischen Befugnisse der Autonomen Region fest. Dies markierte den Beginn eines neuen Entwicklungszyklus und einer neuen politischen Verantwortung. Seitdem wurde das Statut mehrfach überarbeitet und aktualisiert, stets mit dem Ziel, die Kompetenzen der Region zu stärken, die Zusammenarbeit mit der Republik zu intensivieren und die Fähigkeit der Region zur Zusammenarbeit mit anderen Regionen und der Europäischen Union auszubauen.
In den letzten fünfzig Jahren hat die Autonomie die Azoren tiefgreifend verändert. Sie hat bedeutende Fortschritte in den Bereichen Kommunikation, Bildung, Gesundheitswesen und der Förderung des Natur- und Kulturerbes der Region bewirkt. Die Azoren haben sich innerhalb des Landes, innerhalb der Europäischen Union, in ihren Beziehungen zu anderen Regionen und zur Diaspora selbstbewusst positioniert.
Die verfassungsmäßige Autonomie ist weit mehr als ein politisches Modell; sie ist zu einem lebendigen Ausdruck der Identität der Azoreaner geworden. Sie verkörpert das Recht und die Verantwortung, auf der Grundlage lokaler Beteiligung, des Verständnisses der Realität der Insel und des gemeinsamen Bestrebens, eine bessere Zukunft zu gestalten, selbst zu regieren.