Correos setzt seine Briefmarkenserie zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit mit der Herausgabe zweier neuer Briefmarken im Jahr 2026 fort, die der Transhumanz und dem Läuten von Kirchenglocken gewidmet sind.
Die Transhumanz, die saisonale Wanderung von Herden, wurde 2019 von der UNESCO anerkannt und ihre Anerkennung 2023 erweitert. Sie wird in folgenden Ländern praktiziert: Albanien, Andorra, Österreich, Kroatien, Frankreich, Griechenland, Italien, Luxemburg, Spanien und Rumänien.
Die Transhumanz ist eine Form der Weidewirtschaft, die aus der saisonalen und weitreichenden Wanderung von Nutztieren zwischen verschiedenen geografischen oder klimatischen Zonen entlang festgelegter Wanderrouten besteht. Jedes Frühjahr und jeden Herbst ziehen Tausende von Tieren in Herden, die von ihren Hirten – manchmal zu Pferd und sogar in Begleitung ihrer Familien und Hunde – behütet werden, auf denselben Routen, wie beispielsweise den Cañadas in Spanien oder den Tratturi in Italien. Hirten verfügen über umfassende Kenntnisse in Land- und Ressourcenmanagement, Tierhaltung und Handwerk im Zusammenhang mit der Herstellung von Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen. Dies macht die Transhumanz zu einer der nachhaltigsten und effizientesten Formen der Viehhaltung. Sie begründet eine Beziehung zwischen Mensch, Tier und Ökosystem, die auf ökologischem Gleichgewicht und einem über Jahrhunderte entwickelten sozioökonomischen Modell basiert. Die Weitergabe von Wissen und Techniken von den Älteren an die Jüngeren erfolgt im Alltag sowie bei Festen rund um den Transhumanzzyklus. Diese Feste prägen eine kulturelle Welt, die sich beispielsweise in großen Gemeinschaftsmahlzeiten, Festen wie dem österreichischen Schäferfest und religiösen Ritualen wie den Festen des Heiligen Georg und des Heiligen Demetrius in Griechenland ausdrückt, welche den Beginn und das Ende der Reise markieren. All dies ist der lebendige Ausdruck des kollektiven Gedächtnisses und der Identität transhumanter Gemeinschaften.
Das manuelle Glockenläuten wurde 2022 von der UNESCO anerkannt und 2024 auf folgende Regionen Spaniens ausgeweitet: Spanien (Valencia, Extremadura, Kastilien und León, Navarra, Baskenland, Kastilien-La Mancha, Andalusien, Aragonien, Galicien, Extremadura, Kanarische Inseln, Balearen, Madrid, La Rioja, Katalonien, Kantabrien, Asturien) und Italien.
Über Jahrhunderte hinweg diente das Glockenläuten in Spanien als Ausdrucks- und Kommunikationsmittel und erfüllte vielfältige soziale Funktionen, vom Informationsaustausch über Koordination und Schutz bis hin zum sozialen Zusammenhalt. Die durch die verschiedenen Läuttöne übermittelten kodierten Botschaften werden von verschiedenen Gemeinschaften verstanden und tragen zur Strukturierung des lokalen Lebens bei. Die Klangvielfalt ist groß und hängt von den verwendeten Techniken (Läuten, Vollgeläut oder Halbgeläut) in Kombination mit dem Können der Glockenläuter sowie den physikalischen und akustischen Eigenschaften der Glocken, Türme und Glockentürme ab. Diese Elemente vereinen sich zu einem reichen und vielfältigen Repertoire im religiösen wie im gesellschaftlichen Bereich. Sie markieren verschiedene Tageszeiten, warnen die Bevölkerung vor Naturereignissen wie Bränden oder Überschwemmungen sowie vor Trauerprozessionen und verkünden Erlasse und andere Neuigkeiten.
Das Glockenläuten ist auch ein zentraler Bestandteil lokaler Veranstaltungen, Feierlichkeiten und Aufführungen. Die Tradition wird von Glockenläutern an jüngere Generationen weitergegeben, und zwar durch Gruppen oder Organisationen von Glockenläutern, die die Praxis nicht nur dokumentieren und erforschen, sondern auch läuten, die Kunst des traditionellen Glockenläutens weitergeben und unterrichten. Die meisten dieser Wissensvermittler sind selbst junge Menschen, die neue Begeisterte für die Fortführung dieser Tradition gewinnen möchten.