Am 9. Februar 2026 gab die französische Post, La Poste, eine Briefmarke mit dem Bild von Paul Bocuse, dem „Koch des Jahrhunderts“, heraus, um an seinen 100. Geburtstag zu erinnern.
Und dabei äußerte er im Spätherbst seines Lebens Zweifel an seinem bleibenden Einfluss auf die Geschichte, weniger auf die Geschichte der Gastronomie im Kleinen als vielmehr auf die Geschichte der Menschheit im Großen: „Wenn ich nicht mehr bin, könnt ihr machen, was ihr wollt …“ Vom jungen Paulo am Ufer der Saône bis zur gefeierten Persönlichkeit bei Gault & Millau blieb Paul Bocuses Leben eine ständige emotionale Achterbahnfahrt zwischen dem überbelichteten Koch und dem einfachen Mann, der seinen Freunden, der Natur und dem Fluss, den er nie aus den Augen verlor, treu ergeben war – selbst von der anderen Seite der Welt: der Saône. Über Monsieur Paul und seine Auberge – den selbsternannten „Tempel der Weltgastronomie“ – ist bis heute alles gesagt worden, fast alles, ohne dass jemand etwas daran auszusetzen gefunden hätte. Und doch. Ein Hauch von Melancholie liegt in den Augen dieses Mannes, „eines armen Jungen, der wie ein reicher Junge lebt“, dessen Persönlichkeit eine Vielschichtigkeit besitzt, die Epochen und Menschen gleichermaßen prägt. Denn Monsieur Paul war zeitlebens ein Zeitgenosse, stets einen Schritt voraus, ein Ikonoklast, der nicht nur Köche aus ihren Küchen holte, sondern auch seinen Berufsstand zu neuem Ansehen verhalf. Das Leben des Königs der gehobenen Gastronomie zu skizzieren, ist eine Herausforderung für sich, so reichhaltig und vielschichtig war es. Doch die meisten werden sich an zwei Daten erinnern: 1961, als er den Titel „Meilleur Ouvrier de France“ (Bester Handwerker Frankreichs) erhielt („Die höchste Auszeichnung, denn es ist eine persönliche Ehre, die man ein Leben lang behält“), und vier Jahre später seine drei Michelin-Sterne (die er bis zu seinem Tod behielt).
So wurde Bocuse, „der Mann vom Land“ im Altfranzösischen, zu einer globalen Ikone.
„Ich kopiere nicht, ich mache es genauso“, pflegte er mit einem Anflug von Ironie zu sagen. Fakt ist: Das Original ist einzigartig. Für immer.