Kunst als Spiegel der Zeit
Die neue Reihe „Plakatkunst“ widmet sich historischen Plakaten und ihren Gestaltern. Wir beginnen mit einem Plakat der ungarischen Grafikerin und Autorin Gitta Mallász.
Gitta (bürgerlich Margit) Mallász (1907–1992) studierte an der Kunstakademie in Budapest, wo sie Hanna Dallos kennenlernte. Gemeinsam mit Hanna und deren Ehemann Joszef Kreutzer gründete sie ein erfolgreiches Atelier, in dem sie unter anderem Werbeplakate für die Tourismusbranche entwarfen. Zu ihrem Freundeskreis gehörte auch Lili Strausz, die wie Dallos und Kreutzer jüdischer Abstammung war. In ihrem Buch „Im Gespräch mit Engeln“ veröffentlichte Mallász, die als Einzige der Gruppe den Krieg überlebte und später nach Frankreich auswanderte, die spirituellen Gespräche und Erlebnisse, die die vier Freundinnen während der Nazi-Besatzung miteinander teilten. In Anerkennung ihres Einsatzes für die Rettung hunderter jüdischer Frauen und Kinder in Budapest wurde sie posthum von der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt.
Plakate veranschaulichen, wie Grafikdesign die Bereiche Kunst, Kommunikation und Werbung miteinander verbindet. Sie vermitteln nicht nur eine Botschaft, sondern spiegeln auch den Zeitgeist wider. In ihrer Jugend war Gitta Mallász eine erfolgreiche Schwimmerin, was gut zu dem Plakat mit dem Titel „Döblinger Strandbad“ von 1927 passt. An der angegebenen Adresse befand sich einst ein öffentliches Schwimmbad, woran das Schild „Eingang zum Bad“ an der Fassade noch heute erinnert. Das Plakat stammt aus der Plakatsammlung der Wiener Stadtbibliothek.