Kunst für alle Sinne
Hermann Nitsch war einer der Mitbegründer des Wiener Aktionismus und ein äußerst vielseitiger Künstler, dessen Werke weltweite Anerkennung fanden.
Hermann Nitsch wurde 1938 in Wien geboren und arbeitete nach seiner Ausbildung an der Höheren Grafischen Bundesanstalt für Bildung und Forschung als Grafiker im Technischen Museum. Schon in jungen Jahren interessierte er sich für abstrakte Kunst, Poesie, Theater und klassische Musik und begann, an seiner Idee des „Orgienmysterientheaters“ zu arbeiten. In seinen Malaktionen stand die sinnliche Erfahrung verschiedener Substanzen und Flüssigkeiten im Mittelpunkt. Immer wieder lösten diese Aktionen jedoch Proteste aus, und er wurde inhaftiert. Er betrachtete sein „Orgienmysterientheater“, das Musik, Theater, Malerei und Performances vereint, als ein Gesamtkunstwerk, in dem die Kunst die Grenzen der Realität überschreitet und zu einer körperlichen Erfahrung wird. Die Stücke wurden regelmäßig in Nitschs Schloss im niederösterreichischen Prinzendorf aufgeführt. Nitsch lehrte auch an Kunsthochschulen und führte Aktionen an verschiedenen Orten in Österreich und im Ausland durch. Seine Gemälde sind in zahlreichen Museen ausgestellt. Er starb 2022.
Hermann Nitschs aktionistische Malerei manifestierte sich auch in seinen berühmten Spritzbildern, für die er mitunter auch echtes Blut verwendete. In späteren Spritzbildern wurden das Blutrot und Schwarz durch hellere Farben wie Gelb, Orange, Rosa oder Grün ersetzt, die eine Lebensfreude ausdrücken. Das Motiv der Briefmarke zeigt ein Spritzbild aus dem Jahr 2020. Die Farbe wurde mit den Händen verteilt, wodurch ein Relief-Effekt entstand, während die spiralförmige Struktur an Blumen erinnert.