Der Esel mit den blauen Augen
Als einzige in Österreich heimische Eselrasse ist der österreichisch-ungarische weiße Barockesel, das Tier auf der diesjährigen Briefmarke der Serie „Seltene Nutztierrassen“, eine wahre Rarität.
Der Barockesel ist unverwechselbar dank seines fast weißen Fells, dessen Farbe als „Cremello“ bezeichnet wird, und seiner blauen Augen. Diese helle Färbung nennt man Flavismus; auch Haut und Hufe weisen nur eine schwache Pigmentierung auf. Das Tier ist mittelgroß, hat ein normal langes Fell und die für Esel typische aufrechte Mähne.
In der Barockzeit war Weiß ein Statussymbol des Adels. Weiße Tiere galten als „Lichtbringer“, weshalb man annimmt, dass der weiße Esel aus dieser Zeit stammt und in den Gebieten des Habsburgerreichs, insbesondere im Osten Österreichs und Ungarns, gezüchtet wurde. Im Laufe der Zeit geriet die Rasse in Vergessenheit und erlangte erst in den 1980er-Jahren wieder öffentliche Aufmerksamkeit. Der Weiße Barockesel ist seit 2016 als eigenständige Rasse anerkannt. Die Zucht oberösterreichischer Zuchtverein Stadl-Paura ist für die Zucht zuständig. Der Verein zur Erhaltung der Weißen Barockesel setzt sich für den Erhalt dieser stark gefährdeten Rasse ein, von der nur wenige hundert Tiere im Zuchtbuch verzeichnet sind. Die wichtigsten Populationszentren in Österreich befinden sich auf Schloss Hof im Marchfeld und im Nationalpark Neusiedler See. Wie alle Esel sind auch Weiße Barockesel robust, anspruchslos und furchtlos. Sie eignen sich zum Reiten für Kinder, als Zugtier für leichte Kutschen und in der Tiertherapie. Im Seewinkel werden sie zudem im Landschaftsschutz eingesetzt.