Am 13. Juli 2026 gab die französische Post, La Poste, eine Briefmarke heraus, die an den Hängebrückensteg der Diosaz-Schlucht in Haute-Savoie, einem „Wunder der Alpen“, erinnert.
Im Schatten der Mont-Blanc-Gipfel haben sich der uralte Diosaz-Gletscher und sein reißender Bach geduldig in den Fels gegraben und eine tiefe Schlucht geformt, deren steile Felswände von Wasserfällen unterbrochen werden. Lange Zeit galt sie als unzugänglich, sodass die Menschen auf ihre Gipfel beschränkt blieben und für Holzwirtschaft, Schieferabbau und bescheidene Bergbauerkundung genutzt wurden. Als sich der Physikprofessor Achille Cazin 1868 in der Region niederließ, war er von der Pracht des Ortes überwältigt. Bestrebt, die täglichen Nöte der Bewohner, die unter dem rauen Klima und den Ernteausfällen litten, zu lindern und ihnen neue Einkommensquellen zu eröffnen, entwickelte er ein kühnes Projekt: die Schlucht für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nachdem er anfänglichen Widerstand überwunden hatte, gründete er gemeinsam mit der Gemeinde einen Verein, und 1871 begannen unter seiner Leitung die Bauarbeiten.
Die 1875 fertiggestellte Hängebrücke wurde zu einem neuen „Wunder der Alpen“, und 1877 wurde Cazin posthum zum Ritter der Ehrenlegion geschlagen. Seit über 150 Jahren bietet dieser Weg eine zeitlose Reise und ein atemberaubendes Schauspiel inmitten einer wilden und selten gesehenen Naturlandschaft. Fest im Fels verankert, schmiegt sie sich an die steilen Klippen und schwingt sich über den reißenden Bach mittels kühner Stege. Von dort aus überblickt man kristallklares, smaragdgrünes Wasser, das kaskadenartig in tiefe Schluchten stürzt und sich dann in weißen, schäumenden Wellen ausbreitet – ein beeindruckender Kontrast zu Moosen, dunklem Schiefer und leuchtenden Flechten. Auch heute noch stellt die Erhaltung dieser Stätte eine große Herausforderung dar, der sich das Landwirtschaftsunternehmen und seine erfahrenen Zimmerleute und Seilzugangstechniker Jahr für Jahr stellen und ihr Fachwissen bündeln, um die Instandhaltung, Sicherheit und Nachhaltigkeit dieses außergewöhnlichen Erbes zu gewährleisten.